Konzeption

Ein Master pro Geschoss: warum die Topologie eines Brandschutzklappen-Netzes nicht im Katalog steht

· Lesezeit 4 min

Schema eines EasyBus3-Netzes: der Easy3-H in der Verteilung im Technikraum, ein Easy3-M pro Geschoss über einen Masterbus aus Cat-5 in der Steigzone angebunden, und ein Etagenbus per Powerline zu den Brandschutzklappen Easy3-X.
Maximalkonfiguration EasyBus3® in geschossweiser Architektur. Nur der Masterbus (orange) verläuft in der Steigzone; jeder Etagenbus (blau) bleibt horizontal und auf sein Geschoss beschränkt.

Ein Datenblatt nennt Maximalwerte. Eine Topologie nennt es nie. Ein EasyBus3®-System verträgt einen Easy3-H, drei Easy3-M und 384 Easy3-X — und zwei Installationen können diese Grenze buchstabengetreu einhalten, ohne auf der Baustelle viel gemeinsam zu haben. Alles hängt an einer sehr früh getroffenen Entscheidung: wohin mit den Mastern?

Der übliche Reflex ist, die drei Easy3-M in der Elektroverteilung neben dem Easy3-H zusammenzufassen. Das ist kompakt und im Plan gut lesbar. Nur schickt es die drei Powerline-Subnetze durch die Steigzonen nach oben, um die Brandschutzklappen Geschoss für Geschoss einzusammeln. Die Alternative, die wir bei dieser Konfiguration bevorzugen, ist ein Master pro Geschoss: gleiche Hardware, gleiche Kataloggrenze, grundlegend andere Installation.

Zwei Busebenen, zwei Medien

Möglich wird dieser Spielraum, weil das System zwei getrennte Netze überlagert. Der Masterbus verbindet den Easy3-H mit seinen Easy3-M über 24 Vdc auf Cat-5 F/FTP oder S/FTP, begrenzt auf 100 m; der Easy3-H bleibt in der Verteilung und bildet die einzige Schnittstelle zur GLT (Modbus RTU/TCP, BACnet MS/TP oder IP). Die Etagenbusse verbinden anschliessend jeden Easy3-M über Powerline auf 230 Vac im Band 100–240 kHz mit seinen Easy3-X: bis zu 128 Teilnehmer und 1000 m Leitungslänge pro Subnetz, Versorgung und Ansteuerung auf denselben Adern.

Das Kabel, das nach oben geht, muss also nicht dasselbe sein, das verteilt. Genau darin liegt der Spielraum des Planers.

Der strukturelle Nutzen: kein Bus mehr in der Steigzone

Sitzt jeder Easy3-M im Verteiler seines Geschosses, verlässt die Powerline nie ihr Geschoss und in der Steigzone liegt nur noch ein geschirmtes Netzwerkkabel. Vier Konsequenzen folgen daraus.

  • Das vertikale Kupfer schrumpft. Ein EasyBus3®-Subnetz verlangt mindestens 3 × 2,5 mm², weil es Energie und Signal zugleich führt; ersetzt man es durch Cat-5, sinken Querschnitt, benötigter Rohrdurchmesser und Einzugsaufwand.
  • Der Mindestabstand von 5 cm zwischen den Kabeln wird einhaltbar, weil er auf einer horizontalen Trasse entsteht und nicht im am dichtesten belegten Bereich des Gebäudes.
  • Die EMV-Festigkeit wechselt die Kategorie. In der Steigzone bündeln sich Leistungsabgänge, Frequenzumrichter und Aufzugsmaschinen; ein Signal von 100–240 kHz dort zu führen heisst, den Bus über die gesamte Gebäudehöhe auszusetzen.
  • Das Längenbudget kommt dem Geschoss zugute. Die 1000 m werden nicht mehr vom Aufstieg verbraucht — mehr Signalreserve und eine dichtere Verteilung werden möglich.

Was der Betreiber davon hat

Eine Topologieentscheidung zeigt ihren Wert vor allem zehn Jahre später, wenn eingegriffen werden muss. Jeder Easy3-M hat seine eigene Versorgung 230 Vac und seinen eigenen Leitungsschutzschalter — mindestens 13 A Charakteristik B: eine Auslösung oder ein Eingriff legt nur ein Geschoss still, die beiden anderen Subnetze laufen weiter. Eine Kommunikationsstörung ist von vornherein auf ein Geschoss eingegrenzt und wird am betroffenen Master behandelt, ohne Rückgriff auf die Verteilung.

Und weil die Adressierung der Realität der Baustelle folgt — ein Master, ein Geschoss, ein Los von 128 Teilnehmern —, lassen sich Klappenprüfungen und Teilabnahmen geschossweise etappieren. Werden später Teilnehmer ergänzt, betrifft das weder die anderen Subnetze noch die vertikale Verkabelung.

Die Randbedingungen

Zuerst zu prüfen. Die 100-m-Grenze des Masterbus ist der massgebende Faktor: die Verteilung mit dem Easy3-H muss weniger als 100 m Kabelweg vom entferntesten Easy3-M entfernt bleiben. Bei einem Hochhaus ist das der Punkt, der vor jeder weiteren Diskussion geklärt gehört.

Ebenso braucht es je Geschoss eine abgesicherte Versorgung 230 Vac und einen freien Platz für den Easy3-M im Verteiler — Reservationen, die früh und in Abstimmung mit dem Los Elektro zu setzen sind. Und die 1000 m pro Subnetz bleiben ein Richtwert, abhängig von der Anzahl Slaves, der Netzarchitektur, der Gebäudestruktur und den Kabeltypen; es ist Sache des Installateurs, die ergänzenden elektrischen Komponenten entsprechend den Gegebenheiten der Anlage auszulegen und zu gewährleisten.

Diese Arbeit nimmt Ihnen niemand ab

Der Hersteller liefert Hardware und Grenzwerte. Der Installateur baut, was auf dem Plan steht, den man ihm gibt. Dazwischen muss jemand entscheiden, wohin die Master kommen, prüfen, ob die 100 m vom gewählten Standort aus haltbar sind, und zwischen der Kompaktheit einer zentralen Anordnung und der Robustheit einer geschossweisen Verteilung abwägen.

Das ist die Rolle eines herstellerunabhängigen Ingenieurbüros. Wir verkaufen EasyBus3® nicht — wir haben kein Interesse daran, die eine Lösung der anderen vorzuziehen. Was wir beitragen, ist die Analyse, die aus einer katalogkonformen Konfiguration eine Anlage macht, die sich ohne Überraschungen in Betrieb nehmen lässt und sich unterhalten lässt, ohne ein ganzes Gebäude stillzulegen. Diese Denkweise wenden wir gleichermassen auf eine Netztopologie an, auf die Wahl eines Integrationsprotokolls oder auf die Auslegung eines Stellglieds: ausgehend vom realen Gebäude und seinem Betrieb, nie vom Schema, das sich am einfachsten zeichnen lässt.

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